Deutsche Bioethanolwirtschaft weist Kritik an E10 scharf zurück
Forderungen des Entwicklungsministers haben mit Fakten nichts
zu tun
Wien (AIZ - 16.08.2012 15:26 Uhr) Der Bundesverband der deutschen
Bioethanolwirtschaft (BDBe) hat heute die Forderung von
Entwicklungsminister Dirk Niebel , wegen steigender Agrarpreise und
Dürren solle es einen sofortigen Verkaufsstopp für den Biotreibstoff
E10 an deutschen Tankstellen geben, scharf zurückgewiesen. Erstens
werde deutsches Bioethanol nicht mit Brotgetreide, sondern mit
Industrierüben und Futtergetreide hergestellt, stellt der Verband zum
Thema "Teller oder Tank" klar. Zweitens verlaufe die Einführung von
E10 weitaus besser als jene des bleifreien Benzins. Und drittens sei
Bioethanol ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, gibt
der BDBe zu bedenken.
"Gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu
stärkerem Hunger in der Welt beitragen", hatte Niebel in einem
Interview behauptet. Im Kabinett müsse darüber nachgedacht werden,
"ob man nicht den Konflikt zwischen Tank und Teller auflösen kann".
Richtig ist laut BDBe jedoch, "dass bei der europäischen
Bioethanolproduktion keine Rohstoffe aus Drittländern importiert
werden. Darüber hinaus ist die vermeintliche Konkurrenz zwischen der
Erzeugung von Lebens- und Futtermitteln sowie der Produktion von
Biokraftstoffen in Europa nicht vorhanden. In Europa wird ein
integriertes Konzept zur Produktion von Lebens- und Futtermitteln
sowie Biokraftstoffen praktiziert. Das heißt, dass bei der
Bioethanolproduktion zahlreiche hochwertige Kuppelprodukte anfallen,
die beispielsweise Futtermittelimporte wie Soja reduzieren und somit
Flächen für andere Verwendungszwecke freisetzen", stellt der Verband
fest.
Zwtl.: Deutsches Bioethanol nicht aus Nahrungsmitteln hergestellt
Weiters stellt der Verband fest, dass "deutsches Bioethanol nicht
aus Nahrungsmitteln hergestellt wird, sondern nur aus Industrierüben
und Getreide mit Futtermittelqualität". Für den Anbau von Rohstoffen
zur Bioethanolerzeugung einschließlich der zahlreichen Kuppelprodukte
wie Futtermittel, Biogas und Biodünger seien im Jahr 2011 in
Deutschland 240.000 ha genutzt worden. Dies entspreche lediglich 2%
der deutschen Ackerfläche, informiert der BDBe.
Zwtl.: Einführung von E10 läuft weitaus besser als jene von
bleifreiem Benzin
Zu der Aussage von Niebel, E10 sei "in Deutschland sowieso nie
akzeptiert worden", stellt der Verband folgendes fest: "Richtig ist,
dass die Einführung von Super E10 weitaus besser verläuft als in den
1980er-Jahren die Einführung bleifreien Benzins. Bei E10 ist nach
einem Jahr ein Marktanteil von gut 13% erreicht. Die Tendenz ist
weiter steigend: Im April 2012 erreichte E10 bei den Ottokraftstoffen
einen Anteil von 15,4%. Bleifreies Benzin hatte zwei Jahre nach der
Einführung nur knapp 10% Marktanteil verzeichnet und es dauerte zehn
Jahre, bis es als Standardsorte etabliert war."
Bioethanol sei für die Ziele der EU zur Treibhausgasminderung bei
Pkw bis zum Jahr 2020 ein zentraler Baustein, erklärt der BDBe. Grund
für die Einführung war die Umsetzung der
Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU. Deutschland war Vorreiter bei
der Umsetzung: Die strengen gesetzlichen Bestimmungen zur Erfüllung
von Nachhaltigkeitskriterien sind sehr schnell eingeführt worden.
Nach dieser Richtlinie dürfen nur Biokraftstoffe vertrieben werden,
die entlang ihrer gesamten Produktionskette mindestens 35% weniger
Treibhausgase ausstoßen als ein fossiler Kraftstoff. "Deutsches
Bioethanol aus Futtergetreide und Industrierüben übertrifft diesen
Mindestwert bei Weitem und hat sogar noch Potenzial - in modernen
Benzinmotoren sogar darüber hinaus -, die Treibhausgasminderung auf
bis zu 70% zu steigern", informiert der Verband.
Zwtl.: Agrana: Einführung von E10 in Österreich wirtschaftlich und
ökologisch sinnvoll
Auch die Agrana hat vor Kurzem darauf hingewiesen, dass die
Einführung von E10 in Österreich sowohl wirtschaftlich als auch
ökologisch sinnvoll sei. "Für E10 müssen hierzulande keine
zusätzlichen Ackerflächen herangezogen werden. Vielmehr werden
dadurch enorme CO2-Einsparungspotenziale im Land genutzt und im
Rahmen der Bioethanolerzeugung wertvolle Eiweißfuttermittel
gewonnen", wurde betont.
Im Agrana-Bioethanolwerk in Pischelsdorf/NÖ werden jährlich rund
220.000 m3 Bioethanol hergestellt - eine Menge, die ausreicht, um den
gesamten österreichischen Bedarf an Bioethanol bei einer Einführung
von E10 im Inland zu decken. Aktuell exportiert die Agrana die Hälfte
der hierzulande erzeugten Bioethanolmenge.
Bereits jetzt wird in Pischelsdorf aus dem eingesetzten Getreide
neben Bioethanol auch das garantiert gentechnikfreie
Eiweißfuttermittel ActiProt(R) hergestellt. Mit ihrer Investition in
eine der Bioethanolproduktion vorgelagerte Fabrik zur Produktion von
Weizenstärke und Weizengluten geht die Agrana nun einen Schritt
weiter. Die Anlage, deren Inbetriebnahme für Ende 2013 geplant ist,
nutzt zunächst alle wesentlichen Rohstoffbestandteile für die
Nahrungs- und Futtermittelproduktion, um dann die agrarischen
Reststoffe in der Bioethanolerzeugung zu verwerten. Durch diese
100%ige Rohstoffnutzung kann - wie die neueste Lebenszyklus-Analyse
der Joanneum Research Forschungs GmbH zeigt - eine Erhöhung des
Treibhausgas-Einsparungspotenzials von Bioethanol von bisher 50% auf
zukünftig 70% gegenüber Benzin erreicht werden.
(Schluss) kam
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